Germany. A travel report. [3/3]

/ book

/ 2 mainchapters and infopart

/ plus map and yellow points for your usage

/ 160 X 215mm / 200 pages / japan. binding

/ diploma / visual communications

/ university of art and design / halle/saale

/ mentors: prof. a.berkenbusch / n.gabrysch

/ 2007/2008

Colums

After all, the topic of the younger german history seemed to be an very delicate one. It's difficult to be political correct. But I think, there has to be more discussion and exchange between people from the different parts of germany. That is why, I wanted to publish columns in young magazins to make a start. In the end, these are the six i wrote.
[pdf] prologue

Taboo

/ tabu – oder eine nachforschung über einen politisch-unkorrekten

/ taboo – or the research about someone being not political correct


Ich will aber ums Verrecken die Mauer wieder haben!


›Ich will aber ums Verrecken die Mauer wieder haben!‹ beendete der Mann die Diskussion mit seiner Frau. Bis eben hatte ich der leise geführten Unterhaltung neben mir keine Beachtung geschenkt. Die Berliner U-Bahn strebte dem Zentrum zu und ich musste gleich da sein und nun, kurz vor dem Brandenburger Tor, das. Ich horchte auf und blickte mich mit einer Mischung aus Erstaunen und Neugier um. Ein Mann von mindestens 60 Jahren in Karohemd und dicker Sonnenbrille ging zur Tür und stiegmit seiner Frau aus. In einem Theaterstück hätte die Dramaturgie nicht besser sein können. Der Ort war perfekt: Berlin, kurz vor dem Brandenburger Tor. Nach klarer Aussage dann Abgang des Hauptdarstellers von der Bühne während die Zuschauer mit fragenden Blicken zurückbleiben. (...)

[pdf] column 1

Flood of Memory

/ erinnerungsflut – oder wie ich honecker zum zweiten mal traf

/ flood of memory. or how I met honecker the second time


DDR als Erinnerungs-produkt – entweder in der harmlosen Nostalgie- oder der schreckensreichen Diktatur-Version.


(...) Draußen haben Passanten gerade eine Honni-Postkarte im Schaufenster entdeckt. Da fällt mir ein: Honecker bin ich bereits zweimal begegnet. Das erste Mal war ich ungefähr sechs Jahre alt, saß auf den Schultern meines Vaters und winkte ihm ahnungslos vor laufenden TV-Kameras bei seinem Besuch in Dresden zu. Fast genau zwanzig Jahre später gab es dann ein Wiedersehen mit Honecker – nur viel weiter westlich. Als Praktikant einer Agentur bekam ihn als neuen Kollegen vorgestellt. Seltsamerweise hatte dieser nicht unerhebliche Gedächtnislücken: weder wäre er je in Dresden gewesen, noch hätte er je etwas über ›Winkelemente‹ und die ›Aktuelle Kamera‹ gehört.
Hier in Weimar oder auch in Dresden könnte er seine ›Erinnerungslücken‹ auffrischen. Er braucht ja nicht gleich mit angestecktem Namensschild Flyer für den Ostshop zu verteilen.

[pdf] column 2

Misunderstanding

/ missverständnis – oder warum die wende ein ostdeutsches phänomen ist

/ misunderstanding. or why the ›wende‹ (wall brake) is only a eastgerman phenomen


Wende?
Was meinst 'n damit?


Draußen fliegt die Landschaft vorbei. Drinnen sitze ich, an Bord meiner Mitfahrgelegenheit, auf dem Weg von Köln nach Frankfurt. Etwas Konversation. Was man so sagt. Dann: »Seid ihr auch so um die Wende rum rübergemacht ?« Mit mir im Auto sitzen zwei Studenten, beide aus polnischen Auswandererfamilien. Trotzdem kann der eine zunächst nicht viel anfangen mit dieser Frage des anderen. »Wende? Was meinst ’n damit?« Eben hatten sie noch ihre verblüffend vielen Gemeinsamkeiten von Geburtsort bis Studiengang festgestellt und nun dieser Stolperstein. Da habe ich mich von hinten eingeschaltet und übersetzt: »Er meint die Deutsche Einheit«. Es nützte also doch etwas – mein deutsch-deutsches Wörterbuch, das mittlerweile mit der Erfahrung aus 17 Jahren Zweisprachigkeit gefüllt ist. Der Sprachmodus ›Schrägstrich‹ wird bei mir nur noch selten automatisch aktiviert. Nur wenn mir im Beisein eines nicht ›zweisprachig‹ Aufgewachsenen ein Ostwort rausrutscht, setzt er ein und ergänzt Kaufhalle / Supermarkt, Pampelmuse / Grapefruit und eben auch Wende/Einheit. (...)

[pdf] column 3

Living

/ wohnen – oder die verwöhnten studenten aus dem ›goldenen osten‹

/ living. or about coddled students from the ›golden east‹


Wohnungs-paradies Ost: ›Bei-uns-ist-das-aber-
alles-besser-Blues‹


(...) Selbst als Tourist ohne dauerhafte Wohnambitionen ist man als urbaner Ostler irritiert, wenn man z.B. beim Schlendern durch Hamburg an allen Ecken Aushänge sieht, auf denen um Mithilfe bei der Wohnungssuche gebeten wird. Offensichtlich verzweifelte Leute hinterlassen an Bäumen und in Bars ihre Telefonnummern und setzen Belohnungen in Form von Bargeld oder iPods aus, nur um ein Dach über dem Kopf für sich zu finden. In Halle hat man da ganz andere Probleme. Hier müssten eher verzweifelte Wohnungen ihre Telefonnummern an befreundeten Bäumen hinterlassen – für einen iPod würden ganze Menschenscharen Makler spielen, da ein knappes Viertel der Wohnungen leer steht. Da keiner mehr damit rechnet, dass doch noch Mieter kommen, wird mittlerweile emsig »rückgebaut «. Wem diese ›nette‹ Umschreibung für »abreißen« nicht so geläufig ist, kommt vermutlich nicht aus Ostdeutschland oder dem Ruhrpott. Denn während die Städte und Dörfer hier auf breiter Front schrumpfen, werden in Hamburg die Hafen-City und in München Freiham, sprich völlig neue Stadtviertel, aus dem Boden gestampft. (...)

[pdf] column 4

Lack of knowlegde

/ wissenslücken – oder was buxtehude mit experten und klischeezählern zu tun hat

/ lack of knowlegde. or: how buxtehude is connected with experts and clychee-counters


Solidarität? Im Osten? Da gab’s doch nur die Stasi!.


(...) Köln. Ich steige zu meiner Mitfahr-gelegenheit ein. Er begrüßt mich. Wir kommen ins Gespräch. »Wo kommst du her?« »Aus Dresden« Daraufhin lacht er und meint: »Mensch, stimmt das eigentlich mit den Bananen?« ›Klick‹. Mein Klischee-Zähler rückte eins weiter. Dieser Scherz über hat sich doch seit mindestens 17 Jahren nicht rasiert. Braunschweig. Ich werde von einem Mitarbeiter mit den Worten »Schön dass du da bist, dann lernen wir hier ja endlich ›Ostdeutsch‹.« begrüßt. ›Klick‹, zum zweiten. Ehe ich ihn aufklären kann, dass es diesen Dialekt nicht gibt, ich ihm aber mit ›Sächsisch‹ weiterhelfen könnte, fragt er schon: »Und die Nazis? Bei euch in Dresden – gibt’s da wirklich so viele?«. ›Klick‹, zum dritten. (...)

[pdf] column 5

Predjudices

/ vorurteile – oder die fast verlorene Wette

/ predjudices. or about the nearly lost bet


Ich danke den Rentnern! Meine Theorie ist also noch nicht ganz verloren.


(...) In Weimar war die Welt noch in Ordnung. Als mir Goethe hier, Goethe da und Goethe überall zuviel wurden, versuchte ich mich mit meinem Ost-West-Ratespiel an den unzähligen Senioren-Reisegruppen, die durch die Innenstadt spazierten. Meine Aufmerksamkeit war geweckt, sobald der Lautstärkepegel mir das Lesen eines Buches nicht mehr störungsfrei ermöglichte. Nun musterte ich detektivisch das Äußere der einzelnen Personen und suchte nach Auffälligkeiten, um den Verdacht ›westdeutsche Reisegruppe‹ zu erhärten. Waren die Damen der Truppe elegant gekleidet, bevorzugten zurückhaltende Farbtöne sowie Schwarz und Weiß oder konzentrierten sich auf einen einfarbigen Akzent etwa in Rot, trugen Make-Up und einen strengen Lippenstift – kurz, sahen die Damen zur Kaffeezeit aus als kämen sie gerade aus der Oper, war das für mich ein erster Hinweis pro westdeutsch. Wenn die dazugehörigen Männer dann auch laut schwadronierten, dabei den Marken-Wollpullover lässig über dem seriösen Hemd geschultert hatten und souverän ihre karierten Stockschirme schwenkten, war ich mir sicher: das waren Wessis! (...)

[pdf] column 6